Entwicklung von Kaninchenbabys anhand von Fotos
Die ersten Lebensmonate sind bei Jungkaninchen eine Zeit intensiver Veränderung. Ihr Körper wächst schnell, ihr Verhalten entwickelt sich Schritt für Schritt und ihre Bedürfnisse ändern sich genauso wie ihre Möglichkeiten. Für Halterinnen und Halter ist es wichtig zu wissen, was in den verschiedenen Altersphasen zu erwarten ist, um sensibel und artgerecht auf ihr Jungtier eingehen zu können. Dieser Monats-Ratgeber zeigt dir, wie sich ein Jungkaninchen entwickelt und wie du es in den jeweiligen Phasen optimal unterstützen kannst.
Gewichtsentwicklung
Das Gewicht und die Entwicklung ist von mehreren Faktoren abhängig, z.B. von
- der Länge der Trächtigkeit (Geburt nach 28 oder 32 Tagen?)
- der Anzahl von Jungtieren
- der Milchleistung der Mutter
- der erblichen Veranlagung der Jungtiere (Rasse? Gewicht der Eltern? …)
- dem Energieverbrauch der Jungtiere (Umgebungstemperatur…)
- …
Wichtig ist, dass die Jungtiere innerhalb von 24 Std. zunehmen (und wenn es auch nur 1 g ist), dann weiß man, dass sie gesäugt wurden. Ein Jungkaninchen, das sein Geburtsgewicht nicht zumindest hält oder deutlich weniger zunimmt, sollte genauer beobachtet und gegebenenfalls tierärztlich beurteilt werden.
0–1 Wochen: Neugeborene und die ersten Lebensschritte
In den ersten Tagen nach der Geburt sind Kaninchenbabys winzig, blind und ohne Fell. Sie sind vollständig auf die Mutter angewiesen. Die Muttermilch ist in dieser Zeit lebenswichtig, weil sie nicht nur Nahrung, sondern auch wichtige Abwehrstoffe für das Immunsystem liefert. Die sicheren ersten Lebenslagen sind entscheidend dafür, dass sich das Jungtier gesund entwickelt.
In dieser Phase solltest du:
- dafür sorgen, dass das Nest stets warm und ruhig ist und kein Jungtier außerhalb des Nestes liegt,
- die Entwicklung und Versorgung der Jungtiere einmal täglich bei einem Nest-Check prüfen,
- unnötige Störungen vermeiden, damit die Mutter ohne Stress säugen kann,
- regelmäßig beobachten, ob die Jungtiere zunehmen und die Mutter sich fürsorglich verhält,
- die Mutter richtig ernähren damit sie genug Milch gibt.
Tag 1 – 19. Januar
ca. 49g/Baby

Wenige Stunden nach der Geburt (Gebut nachts, Foto: morgens)
Tag 2
ca. 52g/Baby (abends)

Tag 3
ca. 60g/Baby (abends)

Tag 5

Tag 6


1–2 Wochen: Jetzt geht es rund
In dieser Woche kann man viel Entwicklung sehen:
- Die Tiere sind anfangs behaart im Nest,
- mit 10 Tagen öffnen sie die Augen (Achtung: Achte darauf, dass sie nicht verklebt sind und sich öffnen),
- mit 12 Tagen wird oftmals erstmalig das Nest verlassen und knabbern erstmalig an Frischfutter , wenn auch nur zaghaft.
- Gewöhne deine Kaninchen jetzt schon intensiv an die Hand, am besten zeitlich nah zum Säugen. Auch ein getragenes T-Short in der Nestumgebung vermittelt den menschlichen Geruch und kann zur Zahmheit beitragen
Tag 7

Tag 8

Tag 9


Tag 10
Die Babys haben alle ihre Augen geöffnet
Tag 11

Tag 12
Die Babys verlassen nun zum ersten Mal ihr Nest und erkunden die Umgebung. Sie bewegen sich dabei laufend und noch nicht richtig hoppelnd vorwärts. Die Ausflüge sind nur sehr kurz und selten.

Tag 13
Die Babys lassen sich schon häufiger außerhalb des Nestes sehen. Dazwischen brauchen sie aber ganz viel Schlaf und Ruhe im Nest. :-)



Ausflug…

Beim großen Geschwisterchen nachschauen, ob es Zitzen gibt….

Liebevolle Gewöhnung an die Menschenhand:

Die Mama suchen gehen um die Milchbar zu nutzen. Die Mutter geht meist weg, wenn die Babys versuchen, zu seugen. Wenn sie aber durch besonders tolles Futter abgelenkt ist…

Drei Generationen in einem Gehege, die Babys ahmen die Großen nach und versuchen den Salat anzuknabbern:

2–4 Wochen: Entwicklung und erste Sinneswahrnehmung
In dieser Phase wird das Jungkaninchen kräftiger und aktiver, bleibt aber noch stark auf die Versorgung durch die Mutter angewiesen.
Wichtige Punkte dieser Phase:
- Biete zusätzlich zu Muttermilch kleine Mengen an geeignetem Heu und gut verträglichen Grünfutter (Gras, Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Endiviensalat, Radicchio, Romana, Fenchel und Fenchelgrün, Karottengrün, Stangensellerie…) an, um die Verdauung zu unterstützen. Trockenfutter ist für Jungtiere nicht verdaubar!
- Der Kontakt zur Mutter ist weiterhin zentral, da sie Sozialverhalten und Sicherheit vermittelt.
Tag 14




Ab etwa dem 14. Lebenstag beginnt die „Kratzphase“, die Babys kratzen sich dann ein paar Tage lang intensiv, vermutlich um die Körperkoordination zu üben.


Intensive Kratzphase…


Tag 16
Das Baby versucht, bei seinem großen Geschwisterchen zu trinken:

Möhren werden auch schon beknabbert:


Das Futter wird interessant:

17. Tag
Die Babys werden nun immer aktiver, halten sich immer mehr außerhalb des Nestes auf und trampeln das Nest völlig platt.

18. Tag


Es wird immer mehr Futter gefressen. Besonders gerne fressen sie Endiviensalat, aber auch alle anderen Futtersorten werden beknabbert. Vieles, was nicht fressbar ist (Besenborsten usw.) wird auch in den Mund genommen und getestet („orale Phase“).

19. Tag
Aktive Mithilfe bei der Reinigung des Geheges… Die Babys sind sehr aktiv und interessiert.


20 Tage
Es werden mittlerweile schon große Mengen Frischfutter verschlungen, trotzdem säugt die Mutter die Babys noch.




21 Tage alt
Heute konnte man zum ersten Mal beobachten, dass die Kleinen Rampen hoch steigen und Männchen machen.




22 Tage alt


23. Tag




24. Tag
Heute habe ich in der Früh endlich eine Toilette so zurecht gesägt, dass auch die Babys rein springen können. Die größeren Babys urinieren leider besonders gerne dort, wo es fressen gibt. Würde ich nun das Futter in einer normalen Toilettenwanne anbieten, wäre diese zu hoch für die kleinen Babys, so dass sie nicht ans Futter kommen würden.



Genau heute, wie der Zufall es will, waren auch die ersten Babys in die normale Toilette gesprungen. :D
25. Tag














26. Tag









27 Tage alt


4–8 Wochen: Erkundung und erste selbstständige Erfahrungen
Im Alter von etwa vier bis acht Wochen werden die Jungkaninchen noch einmal deutlich mobiler und unternehmen ihre ersten eigenen Erkundungstouren. Sie fangen an, aktiver zu hoppeln, zu spielen und ihre Umgebung intensiver wahrzunehmen.
So unterstützt du dein Jungkaninchen jetzt:
- Gib ihm einen sicheren Bereich, in dem es ohne negative Erfahrungen leben kann.
- Achte auf sauberes Wasser und erhöhte Heu-Verfügbarkeit, da der Verdauungstrakt sich weiterhin entwickelt.
- Sanftes und freiwilliges Heranführen an kurze Streicheleinheiten kann helfen, Vertrauen aufzubauen.
28. Tag










29 Tage alt




8 Wochen und älter: Juvenile Phase und soziale Entwicklung
Ab etwa acht Wochen sind die meisten Jungkaninchen deutlich selbständiger. Sie zeigen ein eigenständigeres Verhalten und beginnen, soziale Rollen mit Artgenossen auszuhandeln.
In dieser Phase solltest du beachten:
- Decke jetzt auch Grundlagen der Stubenreinheit und erste Zähmungs-Schritte ab, etwa indem du sanft und konsequent positive Erfahrungen mit Menschen verknüpfst.
2-3 Monate: Die Kaninchen sind selbständig
In dieser Phase solltest du beachten:
- Ab 10 Wochen können Kaninchen abgegeben oder vom Muttertier getrennt werden
- Mit 10-12 Wochen sollte man die Rammler frühkastrieren lassen, denn sie werden mit 12 Wochen geschlechtsreif.
4–6 Monate: „Teenagerphase“ und hormonelle Veränderungen
Mit zunehmendem Alter durchlaufen Jungkaninchen eine Phase, die sich mitunter wie „Pubertät“ anfühlt. In dieser Zeit spielen Hormone eine größere Rolle. Sie markieren Territorien, prüfen Rangordnungen und erkunden die Grenzen zwischen Autonomie und Nähe.
Wichtige Hinweise:
- Viele Kaninchen markieren ihr Revier stärker und zeigen spielerische oder territoriale Verhaltensweisen.
- Eine frühzeitige Kastration kann helfen, hormonbedingte Verhaltensauffälligkeiten von Rammlern zu reduzieren.
- Beschäftigungsmöglichkeiten, Spielzeug und strukturierte Auszeiten helfen, überschüssige Energie sinnvoll umzulenken.
6 Monate bis 1 Jahr: Übergang zur Erwachsenenpersönlichkeit
Zwischen dem sechsten Monat und dem ersten Lebensjahr beginnt die Persönlichkeit deines Kaninchens, deutlicher zu werden. Bewegung, Spieltrieb und Erkundungslust bleiben hoch, doch allmählich stabilisiert sich das Verhalten.
In dieser Zeit ist es besonders wichtig:
- regelmäßige Gesundheitschecks einzuplanen,
- weiterhin Bindung und Vertrauensaufbau durch positive, stressfreie Erfahrungen zu fördern.
Entwicklung im Überblick
Jungkaninchen durchlaufen in den ersten Lebensmonaten viele Entwicklungsphasen, die sowohl körperlich als auch im Verhalten sichtbar werden. Jede Phase bringt eigene Herausforderungen und Chancen mit sich. Eine aufmerksame, ruhige und respektvolle Begleitung ermöglicht deinem Kaninchen, gesund zu wachsen und ein ausgeglichenes, neugieriges Tier zu werden. Je genauer du die typischen Verhaltensweisen erkennst, desto besser kannst du auf seine Bedürfnisse eingehen und ihm Sicherheit geben.





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