Ohrmilben, Ohrräude (Psoroptes cuniculi)

Anzeichen

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Leichte Hauveränderungen im Außenohr sind fast immer Ohrmilben.

Ein Ohrmilbenbefall (Psoroptes cuniculi) beginnt meist tief unten im Ohr, wenn er in der äußeren Ohmuschel mit einem geübten Blick von oben zu sehen ist, dann handelt es sich bereits um einen mittelstarken Befall. Erste Anzeichen sind Kratzen am Ohr, Kopfschütteln und (oft kreisrunde) Schorfstellen und Wunden in der Ohrmuschel, bald ist auch bei einigen Stehohr-Kaninchen zu beobachten, dass das Ohr nicht steht, sondern der obere Bereich leicht abgeknickt ist. Im weiteren Verlauf verschorft das Ohr zunehmend (angefangen im tiefen Bereich), durch Kratzen und Milbenstiche entzündet es sich, Krusten und Borken sind zu sehen. Das Kaninchen kratzt sich immer häufiger und schüttelt den Kopf, die Verkrustungen nehmen zu und können sich sogar außerhalb des Ohres weiter ausbreiten. Bei extremen Fällen ist das Ohr mit Belag gefüllt. Besonders häufig sind große Kaninchenrassen von Ohrräude betroffen. Auch Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen können neben e. Cuniculi und anderen Erkrankungen auf eine Ohrenentzündung durch Ohrmilben hindeuten. Durch Ohrräude kommt es nicht selten zu Sekundärinfektionen wie z.B. Ohrenentzündung. Manchmal ist die Spitze des betroffenen Ohres dann auch abgeknickt, wie auf dem Foto das eine Ohr (in diesem Fall ist das Ohr mittlerweile wieder gesund aber  noch abgeknickt).

Diagnose

Anhand des Krankheitsbildes ist meist recht schnell ersichtlich, dass es sich um Ohrräude handelt. Zur Sicherung dieses Verdachtes kann ein Hautgeschabsel unter dem Mikroskop oder eine Untersuchung mit dem Otoskop durchgeführt werden.

Behandlung

  • Abtötung der Milben (siehe Milbenbehandlung), z.B. mit Ivomec® oder Stronghold® ohne die Abtötung der Milben kommen die Ohrmilben sehr schnell wieder!
  • Zusätzlich ist jedoch teils eine örtliche Behandlung nötig, nur bei sehr schwachen Befall kann darauf verzichtet werden. Es gibt sehr unterschiedliche Mittel für die örtliche Behandlung und Reinigung des Ohres, der Tierarzt wählt ein Mittel aus und erklärt die Anwendung. Mehr dazu siehe Ohrenenentzündung
  • Meist ist es nötig, vorsichtig die großen Krusten im Ohr abzulösen, besonders wenn der Gehörgang verstopft ist.
  • Bei einem schweren Befall kann auch noch ein Antibiotikum und Schmerzmittel verordnet werden.
  • Nach der Behandlung muss ebenfalls, wie beim Milbenbefall, die Umgebung gründlich gereinigt werden.
  • Die Ohrenmilben können zu einer (chronischen) Entzündung des Gehörgangs führen. Zur Behandlung siehe Ohrenentzündung, teils sind auch Röntgenbilder oder eine Computertomographie (CT) notwendig, da die Entzündung auf das Mittelohr übergehen kann!

Achtung! Völlig ungeeignet ist Frontline (Fipronil), dieses führt bei Kaninchen zu lebensbedrohlichen Zuständen, es ist für diese Tierart nicht zugelassen, da es tödlich wirken kann. Wenden Sie nicht eigenmächtig Milben-Medikamente an, die sie vielleicht noch für Hunde und Katzen zu Hause haben. Es handelt sich um starke Nervengifte, eine falsche Anwendung oder Dosierung kann zu irreparablen Schäden führen!