Infusionsraten beim Kaninchen

Praxis-Richtwerte, Defizit, Verluste & Monitoring

Richtwerte immer individuell an Kreislauf, Verluste und Begleiterkrankungen anpassen.


1. Zusammensetzung des Flüssigkeitsbedarfs

Gesamtbedarf/24 h = Erhaltungsbedarf + Defizit + laufende Verluste

Erhaltungsbedarf

100–120 ml/kg/Tag
≈ 4–5 ml/kg/h

Laufende Verluste

z. B. Durchfall, Polyurie, Wundsekretion, Magen-/Darmverluste. Bei deutlichen wässrigen Verlusten kann als grobe Orientierung zusätzlich z. B. ca. 50 ml/kg/Tag angesetzt werden. Immer individuell anpassen.

Laufende Verluste möglichst schätzen oder messen und separat ergänzen.

2. Defizit berechnen

Defizit (ml) = Körpergewicht (kg) × Dehydratation (%) × 10

Beispiel

2,0 kg Kaninchen, 5 % dehydriert

  • Defizit: 2,0 × 5 × 10 = 100 ml
  • Erhaltung: 2,0 × 100 = 200 ml/24 h
  • Gesamt: ca. 300 ml/24 h + laufende Verluste

Reevaluation typischerweise nach 12–24 h.

3. Subkutane Gabe

  • Nur bei stabilem Kreislauf und leichter bis mäßiger Dehydratation
  • Ca. 30–50 ml pro Stelle
  • Tagesdosis bis zu 120 ml/kg/Tag auf mindestens 2–3 Gaben verteilen
  • Mehrere Injektionsstellen verwenden

Bei schwerer Dehydratation oder Kreislaufinsuffizienz bevorzugt IV/IO.

4. Übersicht Dehydratation

DehydratationKlinische SymptomeFlüssigkeitsbedarf/24 h
5–6 %leicht verzögertes Verstreichen der HautfalteErhaltung 100–120 ml/kg/Tag + 50–60 ml/kg Defizit + laufende Verluste
6–8 %klebrige Schleimhäute, deutlich verzögertes Verstreichen der HautfalteErhaltung 100–120 ml/kg/Tag + 60–80 ml/kg Defizit + laufende Verluste
10–12 %stehende Hautfalte, eingesunkene Augäpfel, trockene Schleimhäute, KreislaufbelastungErhaltung 100–120 ml/kg/Tag + 100–120 ml/kg Defizit + laufende Verluste
>12 %lebensbedrohlich, deutliche Kreislaufinstabilität bis KollapsNotfall: Defizit >120 ml/kg, bevorzugt IV/IO, engmaschiges Monitoring

5. Während der OP

SituationRate
stabil / normovoläm4–6 ml/kg/h IV / IO
längere OP, Abdomen, erwartete Verluste6–10 ml/kg/h IV / IO
Hypotonie / HypovolämieBolus 3–5 ml/kg, ggf. bis 10 ml/kg, dann reassess

Hypotonie nicht blind nur mit Flüssigkeit behandeln.

Monitoring & Überinfusion

A. Routine-Monitoring

  • Herzfrequenz, Pulsqualität, Schleimhäute, kapilläre Rückfüllzeit (KRZ)
  • Atemfrequenz und -tiefe
  • Temperatur, ggf. Blutdruck
  • Körpergewicht seriell
  • Urinabsatz
  • Allgemeinbefinden
  • Bilanz: zugeführte Flüssigkeit und laufende Verluste
  • Hämatokrit / Packed Cell Volume (PCV), Totalprotein (TP), Elektrolyte, ggf. Laktat

B. Warnzeichen einer Überinfusion

  • steigende Atemfrequenz / erhöhte Atemarbeit
  • Chemosis
  • Epiphora
  • rasche Gewichtszunahme
  • klinische respiratorische Verschlechterung

→ Rate überprüfen, Patient reevaluieren, Ursache suchen.


Für die Praxis gedacht – ersetzt nicht die individuelle klinische Beurteilung.

Quellen

  • MSD Veterinary Manual: Management of Rabbits
  • University of Illinois College of Veterinary Medicine: Fluid Therapy / Rabbit GI Stasis
  • RECS / UNSW Guideline: Guidelines for the Management of Gastrointestinal Stasis in Rabbits
  • IVIS: Anesthesia and Analgesia of Small Mammals
  • AAHA Fluid Therapy Guidelines