Zuletzt fachlich aktualisiert am 08.09.2026

Häufig wird die Diagnose von Tierärzten gestellt, die nicht kaninchenkundig sind, wenn die Kaninchen eigentlich an E. Cuniculi oder einer Ohrenentzündung leiden. Durch die Fehlbehandlung kommt es zu unnötigen Leid bei vielen Tieren.

Plötzliche Kopfschiefhaltung, Rollen oder Lähmungen: Ist es wirklich ein Schlaganfall?

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EC. ein Schlaganfall oder eine Ohrenentzündung? Ein Schlaganfall ist meist eine Fehldiagnose und bei Kaninchen extrem selten.

Ein Kaninchen hält plötzlich den Kopf schief, fällt um, läuft im Kreis oder eine Körperseite funktioniert nicht mehr richtig. Schnell steht die Vermutung „Schlaganfall“ im Raum.

Ein Schlaganfall ist beim Kaninchen tatsächlich möglich aber sehr selten. Spontane Hirninfarkte sind beim Heimtierkaninchen jedoch bisher nur in wenigen Fallberichten beschrieben. Wie häufig sie wirklich vorkommen, wissen wir nicht. Ein großer Teil der Forschung zu Schlaganfällen beim Kaninchen stammt aus künstlich erzeugten Schlaganfallmodellen für die Humanmedizin und lässt sich nicht einfach auf erkrankte Heimtierkaninchen übertragen.

Wichtig: Plötzlich bedeutet nicht automatisch Schlaganfall!

Gerade Kopfschiefhaltung, Rollen, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) und Nystagmus werden beim Kaninchen sehr häufig vorschnell einer bestimmten Erkrankung zugeordnet.

Auch E. cuniculi und Mittel-/Innenohrentzündungen können sehr plötzlich auftreten. In einer aktuellen Untersuchung hatten alle 15 als EC eingestuften Kaninchen einen hyperakuten oder akuten Beginn. Bei Ohrenentzündung (Otitis media/interna) waren es 7 von 8 Kaninchen. Ein plötzlicher Beginn eignet sich deshalb nicht dazu, einen Schlaganfall von EC oder einer Ohrenerkrankung zu unterscheiden.


Erste Hilfe: Was tun bei plötzlichen neurologischen Ausfällen?

Zeigt dein Kaninchen plötzlich deutliche neurologische Symptome, sollte es zeitnah tierärztlich untersucht werden.

Bis dahin:

  • Umgebung sichern, damit es sich beim Rollen oder Umfallen nicht verletzt
  • in einer gepolsterten Transportbox transportieren
  • bei starkem Rollen mit Handtuchrollen oder weicher Polsterung stabilisieren
  • ruhig und möglichst stressarm transportieren
  • Körpertemperatur kontrollieren, besonders wenn das Kaninchen längere Zeit liegt
  • auffällige Bewegungen, Augenbewegungen oder Anfälle möglichst filmen
  • Zeitpunkt und Verlauf der Symptome notieren
  • Futter und Wasser erreichbar anbieten

Bei Bewusstseinsstörungen oder deutlichen Schluckproblemen sollte nicht auf Verdacht zwangsernährt werden.

Starke Kopfschiefhaltung, dauerhaftes Rollen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder plötzlich auftretende Lähmungen sind ein Grund, das Kaninchen unverzüglich tierärztlich vorzustellen.


Was ist überhaupt ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet oder es kommt zu einer Blutung.

Man unterscheidet:

Ischämischer Schlaganfall

Ein Blutgefäß wird verschlossen. Das dahinterliegende Gehirngewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Glukose versorgt. Es kann ein Hirninfarkt entstehen.

Hämorrhagischer Schlaganfall

Ein Blutgefäß reißt und es kommt zu einer Blutung in oder um das Gehirngewebe.

Bei anderen Tierarten sind beide Formen beschrieben und teils deutlich besser untersucht als beim Kaninchen. Beim Heimtierkaninchen gibt es bisher insbesondere einen gut dokumentierten Fall eines vermuteten ischämischen Kleinhirninfarktes. Für spontane Hirnblutungen beim Heimtierkaninchen ist die klinische Literatur dagegen ausgesprochen dünn.


Es gibt keine typischen Schlaganfalls-Symptome, alle Symptome kommen auch bei anderen Erkrankungen vor, z.B. E. Cuniculi, Ohrenentzündung etc.

Symptome: Wie sieht ein Schlaganfall beim Kaninchen aus?

Es gibt nicht das eine typische Schlaganfallsymptom.

Welche Auffälligkeiten entstehen, hängt davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Möglich sind z.B.:

  • Kopfschiefhaltung
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Umfallen
  • Rollen
  • Ataxie, also unkoordinierte Bewegungen
  • im Kreis laufen
  • auffällige Augenbewegungen (Nystagmus)
  • Schielen (Strabismus)
  • Schwäche oder Lähmungserscheinungen
  • unterschiedlich starke Bewegung der beiden Körperseiten
  • auffällige Stellreaktionen (in der neurologischen Untersuchung)
  • Veränderungen von Verhalten oder Bewusstsein
  • möglicherweise Sehstörungen
  • möglicherweise Krampfanfälle

Das 2021 beschriebene Kaninchen mit einem Kleinhirninfarkt zeigte beispielsweise plötzlich schwere Gleichgewichtsstörungen mit Kopfschiefhaltung, vestibulärer Ataxie und weiteren neurologischen Auffälligkeiten. Im MRT konnte eine Läsion im Versorgungsgebiet einer Kleinhirnarterie nachgewiesen werden.

Ein hängendes Ohr ist kein belegtes typisches Schlaganfallzeichen beim Kaninchen. Gerade Ohrenerkrankungen und eine Beteiligung des Gesichtsnervs können ebenfalls Veränderungen der Ohr- und Gesichtsmotorik verursachen. Ein plötzlich anders getragenes Ohr sollte deshalb untersucht, aber nicht als „Beweis für einen Schlaganfall“ angesehen werden.


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Diagnose: Ist es wirklich ein Schlaganfall?

Wird ohne MRT einen Schlaganfall bei Kaninchen vermutet, ist es in der Regel eine Fehldiagnose! Sehr viele andere Erkrankungen sind deutlich häufiger.

Das ist der wichtigste Punkt.

Ein Schlaganfall sollte nicht allein anhand der Symptome diagnostiziert werden.

Auch die Aussage

„Es kam plötzlich, deshalb war es ein Schlaganfall“

ist nicht ausreichend.

Die Hundeneurologie zeigt sehr eindrücklich, wie häufig diese Einschätzung falsch sein kann: In einer Studie wurden Hunde mit akut aufgetretenen neurologischen Symptomen und Verdacht auf Schlaganfall weiterführend untersucht. Von 20 vollständig untersuchten Hunden hatten letztlich nur zwei einen ischämischen Schlaganfall. Häufiger wurden ein idiopathisches Vestibularsyndrom, Hirntumoren oder entzündliche Erkrankungen gefunden.

Beim Kaninchen ist die Datenlage kleiner, das diagnostische Problem aber ähnlich. Der EC-Erreger verstärkt die Problematik zusätzlich.

Bei komplexeren Fällen macht es oft Sinn, einen auf Tierneurologie spezialisierten Tierarzt (Tierneurologe) hinzuzuziehen.

Sinnvolle Untersuchungen sind je nach Symptomen:

  • gründliche Allgemeinuntersuchung
  • Körpertemperatur
  • neurologische Untersuchung
  • genaue Beurteilung, welcher Teil des Nervensystems betroffen sein könnte
  • Untersuchung der Ohren
  • Blutuntersuchung
  • EC-Diagnostik
  • bei Kopfschiefhaltung häufig CT des Kopfes
  • bei Verdacht auf eine Erkrankung des Gehirns: MRT
  • je nach Befunden Blutdruckmessung
  • gegebenenfalls Gerinnungsdiagnostik
  • bei Verdacht auf eine embolische Ursache: Herzultraschall und weitere Ursachensuche

Ein Schlaganfall ist keine reine Ausschlussdiagnose

Es reicht nicht aus, EC und eine Ohrenentzündung „nicht gefunden“ zu haben und daraus einen Schlaganfall abzuleiten.

Ein Hirninfarkt wird vor allem durch die Kombination aus Krankheitsverlauf, neurologischer Untersuchung und einer dazu passenden Läsion in der Bildgebung wahrscheinlich. Beim lebenden Tier ist dafür insbesondere die MRT entscheidend.


Neurologische Untersuchung: Wo liegt das Problem?

Die neurologische Untersuchung hilft einzuschätzen, ob die Ursache beispielsweise im Innenohr, im Hirnstamm, im Kleinhirn, im Vorderhirn, im Rückenmark oder im peripheren Nervensystem liegt.

Gerade bei einem möglichen Schlaganfall sind reproduzierbare einseitige beziehungsweise fokale neurologische Ausfälle interessant.

Allerdings ist die neurologische Untersuchung beim Kaninchen nicht immer einfach. Untersuchungen an gesunden Kaninchen zeigen, dass manche klassische Stellreaktionen recht variabel ausfallen können. Stress oder das typische „Einfrieren“ des Kaninchens können die Beurteilung zusätzlich erschweren. Ein einzelner verzögerter Stellreflex beweist deshalb keine Hirnläsion.

Entscheidend ist das gesamte neurologische Bild.


MRT: Die wichtigste Untersuchung bei Schlaganfallverdacht

Besteht tatsächlich der Verdacht auf einen Hirninfarkt, ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) die wichtigste bildgebende Untersuchung.

Besonders hilfreich ist, wenn eine Läsion:

  • zu den neurologischen Symptomen passt
  • anatomisch einem Gefäßversorgungsgebiet entspricht
  • für einen Infarkt typische MRT-Veränderungen zeigt.

Das bisher gut dokumentierte Kaninchen mit vermutetem Schlaganfall hatte im MRT eine klar begrenzte Läsion im Kleinhirn. Form und Lage passten zum Versorgungsgebiet der rechten A. cerebelli rostralis und wurden als ischämischer Infarkt interpretiert.

DWI und ADC

Bei einem sehr frischen Hirninfarkt kann eine spezielle MRT-Technik besonders hilfreich sein: die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) zusammen mit sogenannten ADC-Karten.

Damit lässt sich beurteilen, wie frei sich Wassermoleküle im Gewebe bewegen. Akut geschädigtes Gehirngewebe nach einem Gefäßverschluss kann eine typische Diffusionsrestriktion zeigen.

Diese Technik ist beim Hund deutlich besser untersucht. Sie kann einen akuten ischämischen Infarkt unterstützen, ist aber auch dort nicht hundertprozentig zuverlässig. In einer Serie spontaner Schlaganfälle beim Hund gab es auch frische Infarkte ohne das klassische ADC-Muster. Ein unauffälliger DWI-/ADC-Befund schließt deshalb einen Infarkt nicht sicher aus.

Beim Heimtierkaninchen fehlen größere klinische Studien dazu.

Und bei einer Hirnblutung?

Bei Verdacht auf Blutungen sind blutungssensitive MRT-Sequenzen wichtig. In der Hundeneurologie werden hierfür insbesondere Gradient-Echo-Sequenzen eingesetzt.

Auch hier gilt: Die diagnostischen Prinzipien aus der Hundemedizin sind hilfreich, aber nicht in gleichem Umfang für spontan erkrankte Heimtierkaninchen untersucht.


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Kaninchen mit Ohrenentzündung in der CT: die häufigste Ursache für Kopfschiefhaltung bei Kaninchen.

Reicht eine CT aus?

Bei Kopfschiefhaltung ist ein CT des Kopfes sehr sinnvoll, weil damit insbesondere Erkrankungen des Mittelohres gut beurteilt werden können.

In einer Untersuchung von 73 Kaninchen mit Kopfschiefhaltung waren E. cuniculi sowie Otitis media/interna die häufigste Ursache. Die Autoren empfehlen deshalb eine EC-Serologie zusammen mit einer CT-Untersuchung des Kopfes als Basisdiagnostik bei Kaninchen mit schiefen Kopf.

Besteht aber der Verdacht auf eine Erkrankung des Gehirngewebes selbst, ist die MRT aussagekräftiger.

Das bedeutet:

Ein unauffälliges Ohr im CT beweist keinen Schlaganfall.


Schlaganfall oder E. cuniculi?

Das ist beim Kaninchen eine besonders schwierige Abgrenzung.

E. cuniculi ist in der Kaninchenpopulation weit verbreitet. Etwa jedes dritte gesunde Kaninchen ist mit dem Erreger infiziert. Viele Infektionen verlaufen vermutlich ohne klinische Symptome. Auch wenn der Test sehr sicher aussagt, ob das Tier Träger des Erregers ist: Gleichzeitig steht bisher kein Test am lebenden Tier zur Verfügung, mit dem sicher bewiesen werden kann, dass E. cuniculi gerade die vorhandenen neurologischen Symptome verursacht. Der Bluttest liefert deshalb einen wichtigen Baustein, aber keine alleinige Diagnose.

Ein positiver EC-Titer bedeutet nicht automatisch: „Die neurologischen Symptome sind EC.“

Er muss zusammen mit den Symptomen und den übrigen Untersuchungen beurteilt werden.

Das ist für den Schlaganfall besonders relevant.

Das sechsjährige Kaninchen mit dem im MRT vermuteten Kleinhirninfarkt hatte gleichzeitig deutlich positive IgM- und IgG-Antikörper gegen E. cuniculi. Trotzdem passten Lokalisation und MRT-Befund zu einem Gefäßinfarkt.

Tiere können auch zwei Erkrankungen haben: Ein EC-positives Kaninchen kann auch einen Schlaganfall bekommen.

Noch deutlicher ist ein anderer veröffentlichter Fall:

Ein achtjähriger Rammler entwickelte plötzlich Kopfschiefhaltung und Rollen. Weil EC-Antikörper nachweisbar waren, wurde zunächst eine Enzephalitozoonose behandelt.

Nach seinem Tod zeigte sich jedoch eine infektiöse Herzklappenentzündung mit bakteriellen Thromboembolien. Embolien und Gefäßverschlüsse wurden unter anderem im Gehirn gefunden. Die Untersuchungen des ZNS und der Nieren auf E. cuniculi waren negativ.

Das ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, warum eine positive EC-Serologie nicht die gesamte weitere Diagnostik ersetzen darf.


Schlaganfall oder Ohrenentzündung?

Auch eine Mittel-/Innenohrentzündung kann sehr ähnlich aussehen:

  • Kopfschiefhaltung
  • Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Augenzuckungen/Augenbewegungen (Nystagmus)
  • Kreisbewegungen
  • Fallen
  • Rollen
  • Gesichtsnervenstörungen.

In der Untersuchung von Liatis et al. waren diese Symptome zwischen EC und Otitis media/interna teilweise stark überlappend. Selbst der zeitliche Verlauf half nur begrenzt: 7 von 8 Kaninchen mit Otitis media/interna hatten einen hyperakuten oder akuten Beginn.

Eine normale äußere Ohruntersuchung reicht ebenfalls nicht aus, um eine Erkrankung von Mittel- oder Innenohr auszuschließen.

Deshalb ist gerade bei Kopfschiefhaltung die Schnittbilddiagnostik so wichtig.


Kann das MRT trotz Schlaganfall unauffällig sein?

Auch wenn man den Schlaganfall i.d.R. im MRT sieht: Ein einzelnes unauffälliges MRT schließt nicht unter allen Umständen und in jedem Einzelfall jede Gefäßerkrankung aus.

Der bereits erwähnte Rammler mit infektiöser Endokarditis hatte zunächst ein unauffälliges Niedrigfeld-MRT des Gehirns. Nach seinem Tod wurden trotzdem multifokale thromboembolische Läsionen im zentralen Nervensystem festgestellt.

Das bedeutet allerdings nicht sicher, dass das MRT vorhandene Läsionen „übersehen“ hatte. Die septischen Embolien könnten auch im weiteren Krankheitsverlauf entstanden beziehungsweise fortgeschritten sein.

Der Fall zeigt vielmehr: Bei einem weiterhin schwer neurologisch erkrankten Tier sollte ein früher unauffälliger Befund immer zusammen mit dem weiteren Verlauf beurteilt werden.


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Kann man einen Schlaganfall im Blut erkennen?

Nein.

Es gibt beim Kaninchen keinen Blutwert, der einen Schlaganfall sicher nachweist.

Blutuntersuchungen sind trotzdem sehr wichtig, um mögliche andere Erkrankungen und Ursachen zu finden. Ein Schlaganfall geht sehr häufig mit anderen Grunderkrankungen einher, die aufgedeckt und behandelt werden müssen um ggf. weitere Schlaganfälle zu verhindern.

Je nach Patient können beispielsweise relevant sein:

  • Blutbild
  • Leber- und Nierenwerte
  • Glukose
  • Elektrolyte
  • Entzündungszeichen
  • Gerinnungsparameter
  • weitere Untersuchungen entsprechend der Vorgeschichte.

Warum bekommt ein Kaninchen einen Schlaganfall?

Das wissen wir noch nicht ausreichend.

Für Kaninchen gibt es zu wenige spontane Fälle, um typische Risikofaktoren festzulegen.

Der Fall eines Kaninchens mit infektiöser Endokarditis zeigt allerdings, dass sich beispielsweise von einer entzündlich veränderten Herzklappe thrombotisches beziehungsweise bakterielles Material lösen und Gefäße im Gehirn verschließen kann.

Bei Hunden werden verschiedene Grunderkrankungen in Zusammenhang mit Hirninfarkten gefunden. In einer Fallserie von 33 Hunden hatten 18 gleichzeitig eine andere Erkrankung. Besonders häufig waren dort chronische Nierenerkrankungen und Hyperadrenokortizismus.

Diese Erkrankungen dürfen nicht einfach als „Schlaganfallursachen beim Kaninchen“ übernommen werden.

Die Hundedaten zeigen aber, warum nach einem festgestellten Infarkt die Diagnostik nicht beim MRT enden sollte.

Je nach Befund können beim Kaninchen sinnvoll sein:

  • Blutdruckmessung
  • Blut- und Urinuntersuchung
  • Gerinnungsdiagnostik
  • Herzultraschall
  • Suche nach Infektionen
  • weitere Untersuchungen bei Verdacht auf eine systemische Erkrankung.

Behandlung: Was kann man beim Schlaganfall tun?

Die Behandlung richtet sich nach dem Zustand des Kaninchens und einer eventuell gefundenen Ursache.

Wichtig sind je nach Patient vor allem:

  • Kreislauf stabilisieren
  • Körpertemperatur und Blutdruck überwachen
  • Flüssigkeitstherapie, wenn notwendig
  • Sauerstoff bei entsprechender Indikation
  • selbstständige Futteraufnahme unterstützen
  • bei fehlender Futteraufnahme die Verdauung mit im Blick behalten
  • Verletzungen beim Rollen verhindern
  • eine gefundene Grunderkrankung gezielt behandeln.

Das Kaninchen mit dem beschriebenen Kleinhirninfarkt wurde vor allem unterstützend versorgt und besserte sich im Verlauf deutlich.

Cortison?

Cortison sollte nicht automatisch gegeben werden, nur weil ein Schlaganfall vermutet wird.

Es gibt keine klinischen Studien an Heimtierkaninchen, die einen Nutzen von Glukokortikoiden bei einem spontanen ischämischen Hirninfarkt belegen.

Vor allem ist zu Beginn häufig noch gar nicht klar, ob tatsächlich ein Gefäßverschluss vorliegt oder beispielsweise eine infektiöse, entzündliche oder andere neurologische Erkrankung.

Aspirin, Heparin, Clopidogrel oder „Blutverdünner“?

Auch dafür gibt es beim spontanen Schlaganfall des Heimtierkaninchens kein etabliertes Behandlungsschema.

Aber Kaninchen werden sehr häufig in experimentellen Studien zur Schlaganfallbehandlung eingesetzt. Dabei werden Gefäßverschlüsse gezielt künstlich erzeugt und anschließend Medikamente unter genau kontrollierten Bedingungen getestet.


Wie ist die Prognose?

Dazu fehlen beim Kaninchen größere Fallserien.

Das bisher beschriebene Kaninchen mit vermutetem Kleinhirninfarkt besserte sich allmählich und war im späteren Verlauf frei von seinen vestibulären Symptomen.

Das Kaninchen mit septischen Thromboembolien infolge einer infektiösen Endokarditis verstarb dagegen.

Die Prognose hängt deshalb vermutlich stark davon ab:

  • welcher Teil des Gehirns betroffen ist
  • wie groß die Schädigung ist
  • ob weitere Embolien auftreten
  • ob eine behandelbare Grunderkrankung gefunden wird
  • ob das Kaninchen selbstständig frisst und sich stabilisieren lässt.

Für diese Faktoren gibt es beim Kaninchen aber bisher keine ausreichend großen Studien, um verlässliche Prozentzahlen anzugeben.

Aus der Hundemedizin ist bekannt, dass sich einige Tiere mit einem Hirninfarkt trotz zunächst sehr ausgeprägter neurologischer Symptome deutlich erholen können. Gleichzeitig verschlechtert eine relevante Grunderkrankung die Langzeitprognose.


Häufige Fehldiagnosen

„Das kam plötzlich, also ist es ein Schlaganfall.“

Nein. Auch EC und Otitis media/interna können beim Kaninchen innerhalb sehr kurzer Zeit deutliche vestibuläre Symptome verursachen.

„Der EC-Titer ist positiv, also ist es EC.“

So einfach ist es ebenfalls nicht. EC ist weit verbreitet und viele seropositive Kaninchen haben keine klinische Enzephalitozoonose. Ein positiver Antikörpernachweis muss immer zusammen mit den übrigen Untersuchungen bewertet werden.

„EC ist ausgeschlossen, also bleibt nur Schlaganfall.“

Auch das stimmt nicht. Zu den Differenzialdiagnosen neurologischer beziehungsweise vestibulärer Symptome gehören unter anderem Mittel-/Innenohrentzündungen, verschiedene entzündliche und infektiöse ZNS-Erkrankungen, Traumata, Neoplasien und andere neurologische Erkrankungen.

„Im CT war nichts, deshalb ist es ein Schlaganfall.“

Ein CT ist besonders wertvoll zur Beurteilung der Ohren und knöchernen Strukturen. Für das Gehirngewebe und einen vermuteten Hirninfarkt ist die MRT die wesentlich wichtigere Untersuchung.


Häufige Fragen

Ist ein Schlaganfall beim Kaninchen häufig?

Spontane Schlaganfälle sind in der klinischen Literatur des Heimtierkaninchens bisher nur sehr selten beschrieben.

Bekommen nur alte Kaninchen einen Schlaganfall?

Dafür gibt es derzeit keine ausreichenden Daten. Die wenigen veröffentlichten Fälle erlauben keine Aussage über eine Altersprädisposition.

Ist Kopfschiefhaltung typisch für einen Schlaganfall?

Sie kann bei einem Schlaganfall auftreten, ist aber keineswegs spezifisch. E. cuniculi und Erkrankungen des Mittel-/Innenohres gehören beim Kaninchen zu den deutlich wichtigeren Differenzialdiagnosen.

Kann man einen Schlaganfall am EC-Titer erkennen oder ausschließen?

Nein. Der EC-Titer untersucht Antikörper gegen E. cuniculi und diagnostiziert keinen Schlaganfall. Umgekehrt beweist ein positiver EC-Titer nicht, dass EC die neurologischen Symptome verursacht.

Ist ein hängendes Ohr ein Schlaganfallzeichen?

Ein plötzlich anders getragenes Ohr sollte untersucht werden, ist aber kein wissenschaftlich belegtes typisches Schlaganfallzeichen.

Welche Untersuchung ist bei Schlaganfallverdacht am wichtigsten?

Nach einer gründlichen neurologischen Untersuchung ist die MRT des Gehirns die wichtigste Bildgebung. Aus der Hundeneurologie wissen wir, dass zusätzliche Sequenzen wie DWI/ADC bei ischämischen Infarkten und blutungssensitive Sequenzen bei hämorrhagischen Ereignissen besonders hilfreich sein können.

Muss ein Kaninchen mit Schlaganfall eingeschläfert werden?

Nicht allein aufgrund der Diagnose oder des dramatischen ersten Erscheinungsbildes. Das bisher beschriebene Kaninchen mit einem vermuteten Kleinhirninfarkt erholte sich im weiteren Verlauf vollständig von seinen vestibulären Symptomen. Die individuelle Prognose hängt aber stark von Lokalisation, Ausmaß und Ursache der Erkrankung ab.


Was ist bei einem vermuteten Schlaganfall besonders wichtig?

Kopfschiefhaltung, Rollen oder plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen sind Symptome, keine Diagnose.

Gerade beim Kaninchen lohnt sich eine saubere neurologische und bildgebende Abklärung. Sowohl „Schlaganfall“ als auch „E. cuniculi“ werden sonst schnell als Erklärung verwendet, obwohl verschiedene Erkrankungen sehr ähnlich aussehen können.

Bei Kopfschiefhaltung sollte insbesondere eine Mittel-/Innenohrerkrankung und E. cuniculi abgeklärt werden. Besteht der Verdacht auf eine zentrale Hirnerkrankung, sollte eine MRT-Untersuchung erwogen werden. Wird tatsächlich ein Hirninfarkt festgestellt, ist zusätzlich die Suche nach einer möglichen Grunderkrankung sinnvoll.


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